| Scheda | 1 |
| Nome immagine | mudima_1.jpg |
| Materiale | gegossenes und ziseliertes Silber, vergoldetes Kupfer |
| Autore | Unbekannt |
| Datazione | Ende 16. Jh. Anfang des 17. Jh. |
| Provenienza | Kapitelsäle der Kathedrale von Altamura, früher das Kloster der Frankziskaner-Observanten |
Prozessionskreuz
Aus einer vergoldeten Kupferknolle erhebt sich ein spiralförmiges Kreuz, das in Silber fein eingraviert wurde. Es ist durch ein Band mit Engelsköpfen zweigeteilt und auf beiden Seiten mit dem Wappen des Ordens der Mariä Himmelfahrt und des Franziskanerordens versehen. Das Kreuz ähnelt einem Baum. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf die Lignum Vitae, die der Franziskaner-Welt so nah steht, dank der Schriften des Hl. Bonaventura. Es ist mit Weinranken verziert, gemäß der frühchristlichen Tradition, und stellt die Pflanze des Lebens dar (Argenti in Basilicata 1994, S. 78; T. Berloco in Altamura 1977-78, S. 225, G. Boraccesi in La Puglia 2013, S. 334-335). Auf der Vorderseite des Kruzifixes wird Christus dargestellt: die Körperhaltung der Figur, mit dem Kopf nach vorne lehnend, zeugt vom Erbe der reformierten Kultur und vom Kunstgeschmack des späten Manierismus, der noch weit entfernt von der Ergriffenheit des Barock war. Der hl. Franziskus auf der Rückseite wird mit einem ekstatischen Blick dargestellt, er wiegt sich in die Hüften und trägt eine körperbetonte drapierte Franziskanerkutte mit großen Falten. Im Schnittpunkt der Kreuzarme befinden sich drei vergoldete Schwerter aus Kupfer (ursprünglich waren es vier) in Form von Lilien. Die Enden der drei oberen Kreuzarme haben eine dreiblättrige Form. Sowohl auf der Vorder-, als auch auf der Rückseite werden die Blätter von Engelsköpfen und Lilien verschönert. Auf der Rückseite sind drei heilige Franziskaner abgebildet: auf der rechten Seite der hl. Antonius von Padua, der in seiner linken Hand ein Buch hält in Erinnerung an die evangelische Doktrin und in seiner rechten Hand eine Lilie (inzwischen verloren gegangen). Im oberen Arm erkennt man St. Bonaventura von Bagnoregio (mit Kardinalhut und Buch). Die dritte Figur befindet sich im linken Kreuzarm und stellt S. Bernardino von Siena dar, der ein Lehrer der Doktrin war. Die Heiligen tragen das klösterliche Gewand, das an der Kapuze erkennbar ist. Das Vortragekreuz, das bereits bei der Kritik bekannt war (T. Berloco in Altamura 1977-1978, S. 220-221, G. Boraccesi in La Puglia, 2013, S. 334-335), wurde vom Domkapitel hauptsächlich bei Beerdigungen verwändet. Die Herkunft aus dem Kloster der Minderen des Hl. Franziskus wird sowohl durch die Anwesenheit des Franziskaner Wappens auf der einen Seite der Knolle bezeugt (das des Ordens der Mariä Himmelfahrt, wurde wahrscheinlich erst später hinzugefügt), als auch durch Dokumente aus dem Kapitelarchiv. Insbesondere aus dem Abschluss des Kapitels am 2. März 1819 (Datum entnommen aus Tommaso Berloco 1817, vgl. Altamura 1977 -78, S. 221-223) kann man folgern, dass das Kreuz bei der Kurie deponiert wurde, und dass es, „[...] von den gläubigen Brüdern in deren Sakristei gehalten wird und es bei Bedarf vom Kapitel benutzt werden darf für den öffentlichen Dienst, mit der Verpflichtung es wieder zurückzugeben nach jeder Anfrage seitens der Stadt [...] (T. Berloco in Altamura 1977-78, S.222)". Darauffolgende Dokumente weisen darauf hin, dass nach jahrelangem Zweifeln am Eigentum, das Kreuz letztendlich am 28. August 1850 vom Kapitel erworben wurde. Es gehörte zu dieser Zeit dem Grafen Viti, der es für dreihundert Dukaten verkaufte (T. Berloco in Altamura 1977-1978, S. 224). Analysiert man die Stilelemente und vergleicht man das Werk mit anderen datierten Baumkreuzen aus der benachbarten Basilikata (siehe die umfangreiche Sammlung in Argenti in Basilicata 1994), so schätzt man eine Datierung auf das Ende des XVI. Jahrhunderts und Anfang des XVII.



